Mit Abwesenheit umgehen. Kontinuität und Verankerung einer transnationalen Lebensführung jenseits territorialer Abgrenzungen

Räumliche Mobilität wird heute stärker durch soziale, kulturelle, ökonomische und technische Strukturierungen (wie Netzwerke, benachbarte Enklaven) als durch geometrische Entfernungen und geopolitische Grenzen geprägt. Dadurch entsteht für viele Menschen eine diskontinuierliche Territorialität des Lebens, was als Archipelisierung beschrieben werden kann. Die zugehörige Mobilität von Personen, Informationen oder Produkten findet zudem immer häufiger transnational statt, was Archipelisierung auch zu einem Kennzeichen derzeitiger Globalisierung werden lässt.

Archipel

Aus individueller Perspektive stellen sich transnationale Archipele als transnationale Haushaltsmultilokalität dar. Diese bedeutet für die betroffenen Personen, einen Großteil der Zeit von ihren jeweiligen Lebensorten bzw. Archipelinseln, an denen sie eigentlich erwartet werden, abwesend zu sein. Diese regelmäßigen Abwesenheiten bergen das Risiko der Desintegration an einigen oder gar allen Orten. Zur Analyse transnationaler Lebensführung eignen sich vier Integrationsdimensionen, entlang derer die asymmetrischen Beziehungen der Archipelinseln untereinander, die Erwartungen hinsichtlich persönlicher Anwesenheit sowie die damit verbundenen Prozesse gedeutet werden können: Funktionell geht es um die Übernahme lokalisierter Rollen; sozial geht es um Kontaktpflege und Zusammenleben; kulturell-kognitiv ist formeller wie informeller Informationsaustausch zu berücksichtigen; identitär geht es um Aneignung, Gewohnheiten und Wahlorte. Entsprechend erfordert transnationale Haushaltsmultilokalität von Archipelanern bestimmte Kompetenzen und deren ständige Pflege und Weiterentwicklung. Zu benennen sind hierbei insbesondere Motilität, Geselligkeit und Ortsaneignung.

Merh dazu im folgenden Artikel:Duchene-Lacroix 2009: Mit Abwesenheit umgehen

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