Verkehr/Deutschland: Konkurrenz der Fernbüsse, gut für die Multilokalen?

Fernbus-Vergleich: Von München nach Frankfurt für 19 Euro - Reise - Süddeutsche.de Fernbus-Vergleich: Von München nach Frankfurt für 19 Euro - Reise - Süddeutsche.de

Seit dem 1. Januar 2013 dürfen Fernbüsse der Bahn auf innerdeutschen Strecken Konkurrenz machen => Meine These: Die zumindest momentane Vergünstigung der Reisekosten zwischen grossen Städten Deutschlands wird die Struktur der Wohnmultilokalität ändern: Weniger erzwungene Multilokalität auf Grund der Reisekosten und des Mangels von Offerte; mehr Multilokalität aufgrund von sozialen Zwängen (z.B. Fernbeziehung).

Quelle: Gasteiger, Carolin. Fernbus-Vergleich: Von München nach Frankfurt für 19 Euro, Süddeutsche.de, Reise, 17.01.2013.

Mit Dumpingpreisen, Strecken, die die Bahn nicht anfährt und W-Lan locken Fernbus-Anbieter seit diesem Monat. Damit sind sie nicht nur eine Alternative zum Schienenverkehr. Die wichtigsten Fragen, Antworten und Preise im Überblick.

 Von Carolin Gasteiger

Auf direkten Verbindungen ans Ziel kommen und das zu günstigen Preisen: Was manche Fahrten innerhalb Deutschlands bislang erschwerte, wollen Fernbusse künftig leisten. Seit dem 1. Januar 2013 dürfen sie der Bahn auf innerdeutschen Strecken Konkurrenz machen. Was Sie als Passagier wissen sollten.

  • Fahren Fernbusse nicht schon länger in Deutschland?

Bislang durften Fernbusse Städte innerhalb Deutschlands nur anfahren, wenn es auf derselben Strecke keine adäquate Zugverbindung gab. Mit einer Ausnahme: Von und nach Berlin fuhren auch schon vor 2013 Fernbusse. Das liegt daran, dass der westliche Teil der Stadt während der innerdeutschen Teilung stets erreichbar sein sollte. Marktführer ist hier mit 39 Linien Berlin Linien Bus, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn. Das Unternehmen DeinBus.de hatte die strikten Gesetzesvorgaben umschifft, indem es Fahrten mit Fernbussen als eine Art Mitfahrzentrale organisierte. Sprich, die Fahrt ging erst los, wenn sich für eine Strecke genug Mitfahrer fanden. Nun kann das Unternehmen den Linienbetrieb aufnehmen.

  •  Auf welchen Strecken fahren Fernbusse?

Anzeige

Fernbusse dürfen erst auf Strecken ab 50 Kilometern fahren. Auf den kürzeren Trassen will der Gesetzgeber die Bahn als Regionalverkehrsmittel schützen. Hier sind Fernbusse nicht erlaubt.

  • Wer bietet Fernbus-Fahrten an?

Mit der Gesetzesänderung werden in den kommenden Monaten immer mehr Busunternehmen auch Fernbus-Reisen ins Programm aufnehmen. Eine Auswahl:

Eurolines: von Deutsche Touring, fängt mit sechs Verbindungen an, im Laufe des Monats sollen weitere 35 dazukommen.

FlixBus: will den Betrieb Anfang Februar aufnehmen, die Buchung auf der Homepage soll in den kommenden Tagen funktionieren.

DeinBus.de: funktionierte bislang als eine Art Mitfahrzentrale, wird nun aber auch den Linienbetrieb einführen.

MeinFernbus.de: Drehkreuz im Süden, München/Freiburg/Friedrichshafen

Berlin Linien Bus: Ableger der Deutschen Bahn, Verbindungen von und nach Berlin

Doch die Konkurrenz wird größer. Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) rechnet der Welt zufolge mit zehn bis 30 Anbietern, die im Laufe des Jahres auf den Markt kommen werden. Auch größere Unternehmen wie der ADAC, die Deutsche Post, der deutsche Ableger der französischen Veolia oder der britische Branchenriese National Express planen den Einstieg ins deutsche Fernbusgeschäft. Die Pläne der Post sieht Wolfgang Steinbrück, Präsident des BDO, kritisch: “Wenn die Politik Märkte liberalisiert und dann zusieht, wie ein ehemaliger Staatskonzern dick mitmischen will, wird der deutsche Mittelstand in die Röhre schauen”, warnt Steinbrück in der Frankfurter Rundschau.

  • Wie kann ich Tickets buchen?

Viele Anbieter haben ein Onlinebuchungssystem, beim Fahrer wird bar bezahlt. Kartenzahlsysteme an Bord sind noch nicht im Einsatz. Auch Reisebüros verkaufen für einige Anbieter die Tickets.

  • Wie teuer sind die Fahrkarten?

Die Preise unterscheiden sich je nach Verbindung und Anbieter. Hier einige Beispiele:

München-Berlin, einfache Fahrt am 1. März, vormittags:

DeinBus.de: 39 Euro, 8 h

Berlin Linien Bus: 48 Euro, 8,5 h

Deutsche Bahn: 139 Euro regulär, mit Spartarif 89 Euro, 6 h

Flug, z. B. mit Air Berlin: 83,44 Euro, 1 h 15 Minuten

Frankfurt-Leipzig, einfache Fahrt am 1. März, vormittags:

MeinFernbus.de: 15 Euro, 4 h 40 Min.

DeinBus.de: 26 Euro, 5,5 h

Deutsche Bahn: 77 Euro, mit Spartarif 45 Euro, 4 h

Flug, z. B. mit Lufhansa: 96,57 Euro, 1 h

Hamburg-Berlin, einfache Fahrt am 1. März, vormittags:

Berlin Linien Bus: 27 Euro, 3 h

Deutsche Bahn: 76 Euro, mit Spartarif 49 Euro, 1 h 43 Min.

Flug, z. B. mit Lufthansa, aber Umsteigen in Frankfurt: 97,43 Euro, 3 h 55 Minuten

Eine Sprecherin von FlixBus sagte Süddeutsche.de, das Unternehmen wolle kein Ticket anbieten, das teurer als 41 Euro sei. Zum Auftakt der Fernfahrten soll es sogar Tickets zum Preis von einem Euro geben. Frank Zehle, Chef der Deutschen Touring, die mit Eurolines schon internationale Fernbus-Fahrten anbietet, ist sich bewusst, dass die Fernbusse weder bei den Reisezeiten mithalten können noch deren Netz an Haltepunkten haben. “Unser Trumpf ist der günstigere Fahrpreis”, sagte er der Welt. Auf Dauer können die Preise vermutlich nicht so niedrig bleiben. Einer Studie der TU Dresden zufolge müssten Busfahrten je nach Auslastung 60 bis 70 Prozent des Bahnpreises kosten, um profitabel zu sein, zitiert der Spiegel aus der Studie.

  • An wen richtet sich das Angebot von Fernbus-Fahrten?

Vor allem Personen mit viel Zeit und weniger Geld dürften von der Alternative zur Bahn profitieren. Also zum Beispiel Studenten, Rentner und Reisende, denen es nichts ausmacht, von München nach Berlin statt sechs Stunden im Zug acht Stunden im Fernbus unterwegs zu sein – ohne Stau. Daher sind die Fernbus-Fahrten eher eine umweltfreundliche Alternative zu Mitfahrzentralen. Doch auf den Busfahrten mischen sich Jung und Alt. Gregor Hintz von MeinFernbus.de: “Im Bus kommen die Leute besser ins Gespräch als im Zug.”

  • Was muss ich an Bord beachten?

Mit einem reservierten Sitz dürfen Sie nicht rechnen, die Plätze werden frei gewählt. Anschnallen ist in Fernbussen mittlerweile Pflicht, Haustiere sind nicht erlaubt. Die meisten Anbieter stellen Snacks, Kaffee und Getränke auf der Fahrt bereit. Toiletten gibt es im Bus. Manche Firmen werben mit kostenlosem W-Lan oder ungewöhnlich viel Beinfreiheit, allerdings ohne genaue Maße zu nennen. Unterschiede gibt es außerdem beim Preisnachlass für Schwerbehinderte. Ab 2016 sollen alle Busse barrierefrei sein.

  • Wie viel Gepäck darf ich mitnehmen?

Mit dem Gepäck ist es ähnlich wie im Flugzeug. Ein Handgepäcksstück und ein zusätzliches Gepäckstück sind in der Regel kostenfrei, für alle zusätzlichen Taschen und Koffer muss man zahlen. Einige Unternehmen bieten auch die Mitnahme von Sperrgepäck wie Ski oder Surfbrett und Fahrräder gegen Aufpreis an.

  • Machen die Fernbusse der Bahn ernsthaft Konkurrenz?

Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich das nach Angaben der Deutschen Bahn noch nicht sagen. Das Hauptklientel der Bahn dürfte sich wohl kaum umorientieren. Spannend könnte es auf lange Sicht jedoch bei den Sparangeboten der Bahn wie dem BayernTicket werden. Die Preise von FlixBus sollen sogar ausdrücklich unter dem günstigsten Bahn-Angebot liegen, erklärt eine Sprecherin. Noch wirkt die Deutsche Bahn gelassen und will das bestehende Fernbusliniengeschäft nicht ausweiten. Das erwartete Marktvolumen und die damit erzielbaren Margen seien zu gering, so ein Sprecher der Bahn zu Süddeutsche.de. Und was, wenn die Fernbusse doch zur ernsthaften Konkurrenz werden? “Wir beobachten die weiteren Entwicklungen des Fernbusmarktes sehr genau und werden gegebenenfalls entsprechend reagieren”, so der Sprecher.

  • Wo ist der Haken?

Ein bundesweites Streckennetz für Fernbusse befindet sich erst im Aufbau, das heißt manche Fahrten sind sehr umständlich, wenn es noch keine direkten Verbindungen gibt. Wer mit MeinFernbus.de von Freiburg nach Berlin reist, muss nicht nur mehr als zehn Stunden bloße Fahrtzeit (mit der Bahn dauert es sechs bis sieben Stunden), sondern auch zusätzliche Stopps in Karlsruhe, Heilbronn, Würzburg und Suhl in Kauf nehmen. In den kommenden Monaten wird es nach und nach noch mehr Haltestellen geben, da neue Anbieter auf den Markt kommen und die bestehenden ihr Angebot ausbauen wollen.

Noch sind die Busbahnhöfe in den meisten Städten wenig komfortabel. “Wenn Bund und Länder die Liberalisierung ernst nehmen, müssten sie dringend in den Aufbau der Busstationen investieren”, fordert Deutsche-Touring-Chef Zehle in der Wirtschaftswoche

Gallery | This entry was posted in Attractivity policy, Mobile-settled Hybridity, Mobilities, SpacePlanning Policy, Unequality and tagged , , , , . Bookmark the permalink.

2 Responses to Verkehr/Deutschland: Konkurrenz der Fernbüsse, gut für die Multilokalen?

  1. Pingback: Verkehr/Deutschland: Konkurrenz der Fernbüsse, gut für die ... | Multilokalität | Scoop.it

  2. Martin says:

    Klasse Artikel mit allem was zu einem Fernbus-Bericht dazu gehört. So ungefähr stelle ich mir einen ausführlichen Bericht vor! Davon brauchen wir noch mehr, damit sich Reisende ein immer besseres Bild im voraus machen können! Wie findet ihr meinen Erfahrungsbericht über die Fernbusreise. Zu finden unter: http://fernbus-bewertung.de/fernbus-erfahrungsbericht-mit-meinfernbus-von-berlin-nach-suhl/ Würde mich über ein Kommentar freuen. Viel Erfolg noch weiterhin beim Busfahren! :) Martin

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s