Wohnen an mehreren Orten ist in der Schweiz stark verbreitet

28% oder über zwei Millionen Personen in der Schweiz leben derzeit #multilokal, das heisst, sie nutzen mehr als einen Wohnsitz. Dies zeigt eine aktuelle Studie des ETH Wohnforum – ETH CASE, an der Forschende der Universität Basel mitgearbeitet haben. Fast ein Zehntel der Befragten wohnt an vier oder mehr Adressen.

f0_dKnapp die Hälfte der Bevölkerung in der Schweiz hat Erfahrung mit dem multilokalen Wohnen: Aktuell wohnen 28% an mehr als einer Adresse, 20% haben früher schon mindestens einmal so gelebt. Dies zeigen die Resultate einer neuen Studie des ETH Wohnforum – ETH CASE, einer Forschungsstelle für interdisziplinäre Wohnforschung am Departement Architektur der ETH Zürich.

Befragt wurden in der Schweiz 3’246 Personen zwischen 15 und 74 Jahren. Eine ausführliche Befragung erfolgte bei 961 multilokal Wohnenden, und mit 18 Personen wurden zusätzlich vertiefende Interviews geführt.

Institut für Soziologie beteiligt

Vom Institut für Soziologie der Universität Basel war Dr. Cédric Duchêne-Lacroix an dem dreijährigen Projekt beteiligt. Unter anderem hat er an der Konzeption der Befragung mitgewirkt, qualitative Interviews durchgeführt sowie Primärdaten wie qualitative Interviews analysiert. Ebenso wurden an der Universität Basel einzelne theoretische Ansätze aufgearbeitet, erste Resultate publiziert und Studierende in Form von Seminararbeiten, Praktika und studentischer Mitarbeit einbezogen.

Von den aktuell multilokal wohnenden Personen nutzen 68% zwei Wohnsitze, 23% drei, und 9% leben sogar an vier oder mehr Adressen. Meist erfüllen diese mehrere Zwecke, eine einfache Unterscheidung in Erst- und Zweitwohnsitze ist daher oft gar nicht möglich. Über zwei Drittel der zusätzlichen Wohnorte dienen freizeitbezogenen Nutzungen, mehr als die Hälfte dem gemeinsamen oder getrennten Zusammenleben mit dem Partner oder der Partnerin, und immerhin rund ein Viertel erfüllen arbeits- oder ausbildungsbezogene Zwecke.

Dynamische Entwicklung

Die mit der Studie verbundenen Interviews zeigen, dass die Formen des multilokalen Wohnens sehr vielfältig sind und sich über die Zeit hinweg dynamisch entwickeln. An mehreren Orten zu wohnen, vielfach auch in anderen Landesteilen, führt beispielsweise weder zu einer Entwurzelung noch zu einem Bedeutungsverlust der einzelnen Wohnorte. Vielmehr schildern die befragten Personen das soziale Beziehungsnetz über mehrere Orte hinweg als erweitert, die Ortsbezüge als vielfältiger.

Organisatorisch wird der Alltag jedoch anspruchsvoller. Für viele multilokal Wohnende ist das Unterwegssein zwischen den Wohnsitzen nicht bloss reiner Transfer, sondern hat als wichtiger Bestandteil dieser Lebensweise eine eigene Bedeutung.

Die Studie «Multilokales Wohnen in der Schweiz» wurde vom Schweizerischen Nationalfonds finanziert und wurde von 2012 bis 2014 von Forschenden der ETH Zürich (ETH Wohnforum – ETH CASE), der Universität Basel (Institut für Soziologie) und der Hochschule Luzern (Departement Wirtschaft) durchgeführt. Ziel war es, Aussagen zur Häufigkeit und zu den Formen des Wohnens an mehreren Orten zu gewinnen und herauszufinden, welche Bedeutung diese Wohnform für die betreffenden Personen hat.

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