Arbeitskreis “Multilokale Lebensführung und räumliche Entwicklungen” in der deutschen Akademie für Raumforschung und Landesplanung

Die ARL vom Leibniz-Forum für Raumwissenschaften hat dieses Jahr den Arbeitskreis “Multilokale Lebensführung und räumliche Entwicklungen” gegründet. Hiermit einige Grundelemente des Konzepts, der Ziele sowie der raumplanischen Beurteilung des Kreises:

Forschungskonzept und Forschungsziele

Der Arbeitskreis „Multilokale Lebensführung und räumliche Entwicklungen“ verknüpft einen subjektorientierten Forschungsansatz, der die Sicht der multilokal lebenden Personen in den Mittelpunkt stellt, mit der Perspektive der Raumbeobachtung und Planungspraxis, um die Raumentwicklungsrelevanz der Thematik zu untersuchen.

Räumliche Konstellationen und Entwicklungen sind Ergebnisse des Handelns der Individuen, der Unternehmen sowie der Planungspolitik. Letztere versucht, die Raum- und Siedlungsentwicklung zielgerichtet zu gestalten. Räumliche Strukturen und Entwicklungsprozesse lassen sich nach Maßstabsebenen (der lokalen, der regionalen, der nationalen und der globalen) unterscheiden. Sie können durch rechtliche Regulierung behindert oder verstetigt werden.

Das Verhältnis von multilokaler Lebensführung und räumlichen Entwicklungen ist aus raumwissenschaftlicher wie raumplanerischer Sicht von größter Bedeutung. Angesichts der begrenzten empirischen Erkenntnisse über multilokale Lebensführung (die amtliche Statistik hilft kaum weiter) sind ihre Folgen für Kommunen und Regionen zu untersuchen, so etwa Entleerungs- bzw. Stabilisierungsprozesse, spezifische Wohnbedürfnisse und Wohnumfeldansprüche, infrastrukturelle Folgen, fiskalische Aspekte, Auswirkungen auf das zivilgesellschaftliche Engagement usw. Zu deren Untersuchung können sehr unterschiedliche, z. B. sozialgeografische, familiensoziologische, ethnologische, stadtsoziologische, politikwissenschaftliche, wohnungswirtschaftliche oder verkehrswissenschaftliche Sichtweisen eingenommen werden. Letztlich ist eine multiperspektivische Arbeitsweise notwendig.

Raumplanerische Beurteilung

Die raumplanerische Einschätzung ist bislang ambivalent: Einerseits werden die mit multilokaler Lebensführung im Zusammenhang stehenden räumlichen Entwicklungen eher kritisch beurteilt, weil es z. B. zu einem wachsenden Verkehrsaufwand, erhöhter Flächeninanspruchnahme und zur Erosion von Humankapital aus Fortzugsgebieten kommen kann. Andererseits muss auch die Möglichkeit eines zumindest partiellen Einkommenstransfers und von Sozialkapital in strukturschwache Herkunftsorte sowie generell eines Gewinns an Optionen hervorgehoben werden. Ebenso wie durch die unübersehbaren Tendenzen einer Reurbanisierung wächst durch multilokale Lebensführung in Stadtregionen die Nachfrage nach Wohnmöglichkeiten. Empirisch ist bislang ungeklärt, wie sich dies auf das Verkehrsaufkommen sowie die Flächeninanspruchnahme auswirkt. Dabei ist auf den Doppelcharakter bzw. die Doppelstruktur von Gemeinden hinzuweisen. Gemeinden kann man einerseits als sozialen Verband, andererseits als rechtliche Organisationsform verstehen. In der urbanen Praxis werden diese Strukturen laufend aufeinander bezogen, indem der soziale Verband seine Angelegenheiten in Rechtsnormen reguliert. Entsprechende Teilnahme wird über Mitgliedschaften (etwa amtliche Wohnsitze) ermöglicht. In multilokalen Arrangements werden diese Mitgliedschaften problematisch. So sind Angaben zur Bevölkerungsgröße nicht mehr ein Indikator für Anwesenheit, für Bedürfnisse und Ansprüche auf Daseinsvorsorge, für Engagement usw.

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